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Alt 29.11.2018, 05:04   Das hatte noch gefehlt... !   #1 (Link direkt zu diesem Beitrag)   nach oben 
reimi
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Standard Das hatte noch gefehlt... !

Hallo zusammen

Diesen Sommer habe ich meinen „alten“ Wohnwagen zur MFK (das ist der schweizerische TÜV) gegeben. Danach Gasprüfung und somit vermeintlich bereit für den Verkauf in Ricardo (ein Schweizer Auktionshaus) . An einem sonnigen Samstagmorgen sollte noch die Generalreinigung innen und aussen folgen und dann wäre das gute Stück eigentlich bereit für die Fotosession. Betonung auf wäre!!

Bei der Innenreinigung fiel mir auf, dass es bei der Serviceklappe vorne links leicht feucht war. Also mal weggeputzt und geguckt. Das Ganze war verdeckt durch ein Deckblech, unter dem Kabel und Wasserleitungen durchgeführt wurden. Weggeschraubt und die Kabel beiseitegeschoben. Huuuuh!! Der Boden fühlte sich sehr weich an, aber kein Geruch oder sonstige weitere Anzeichen von Feuchte. Da die Stelle unter dem Bett war und somit nicht vom Wohnbereich sichtbar, beschloss ich, den Kunststoffboden aufzuschneiden. Ich wollte den Wohnwagen ja in einwandfreien Zustand verkaufen. Lieber habe ich die Überraschung als der zukünftige Käufer.
Was da zum Vorschein kam, war der Inhalt eines tüchtigen Albtraums. Viel weiches und modriges Holz schaute mich mit einem widrigen Grinsen an. Innerlich starben gerade mal meine Verkaufspläne. Was nun? Zuerst einmal die Grösse des Wasserschadens ermitteln. Kunststoffboden grösszügig entfernt und mit einem Kronenbohrer von der optischen Schadenstelle aus „Sondierbohrungen“ in Richtung heile Stellen gemacht.
TECREP01.jpg
Der Albtraum hatte bereits Level zwei erreicht. Das war nicht einfach ein feuchter Fleck, sondern die ganze linke Seite vom Radkasten bis zum Bug war verfault. Boden wie auch der Holmen des doppelten Bodens. Das war jetzt der Punkt wo ich mir überlegte, ob ich das Teil für einen Franken „so wie er ist“ ins Ricardo stellen sollte, oder eine Reparatur sich lohnt.
Vor dieser Entscheidung wollte ich mich mal über die Ursache im Klaren werden. Nützt ja nix, wenn der Schaden behoben wird, wenn es nachher immer noch reinläuft. Irgendwie lag es nahe, dass bei der Serviceklappe das Übel zu suchen war. Dieselbe entfernt und auch den Grund schnell erkannt. Ich habe mich schon ein paarmal über die miserable Verarbeitungsqualität von unserem TEC beklagt. Aber das schlug dem Wohnwagen im wahrsten Sinne des Wortes den Boden raus. Da fehlte beim Aussenrahmen der Klappe oben auf einer Länge von gut 20 cm einfach die Dichtmasse. Sonst waren sie mit dem Zeugs überall sehr grosszügig – hier aber nicht. Wahrscheinlich schlug gerade die Pausenglocke beim Einbau oder was weiss ich. Innerlich verfluchte ich diese TEC Fritzen in die Hölle im einen und im anderen musste ich feststellen, dass diese viel gerühmte Dichtigkeitsprüfung, die ich die ersten fünf Jahre brav gemacht hatte schlicht und einfach „für die Füchse“ ist. Da hatte es nämlich von der ersten Stunde an reingeregnet.
Jetzt war der Punkt erreicht, wo ich mir ein ganz grosses Bier holte. Offenbar blieb es nicht beim einen Bier, denn irgendwann entschied ich mich für eine solide Instandsetzung .

Der überaus schöne Sommer beschied mir ganz viele sonnige Stunden für die Reparatur. Draussen auf meinem Gästeparkplatz fing ich an, die Möbel um die Schadstelle abzubauen. Danach legte ich innen wie aussen alles frei. Mit Stichsäge und ähnlichen Waffen ging es ans Rausschneiden von allem fauligen Holz.
TECREP02.jpg TECREP03.jpg
Ab diesem Moment schien es plötzlich irgendwie übersichtlich zu werden. Zwar staunte ich immer wieder, wie peinlich billig dieser Wohnwagen gebaut war. Da wurde offenbar einfach nur geschluddert. Wo man nicht hinsieht beherrschen unzählige Tackerklammern und Unmengen von Dichtmasse das Elend. Da der seitliche Holmen kein tragendes Element ist, war das Abstützen des Aufbaus nicht nötig. Tragendes Element ist tatsächlich „nur“ das Chassis des Fahrwerks. Ausser dem Holmen hatte ich alles Material im Hause. Kurz mal zu meinem Hausschreiner des Vertrauens, welcher mir einen Balken in Sondermassen fertigte, der erstaunlich leicht und sehr widerstandsfähig sei, aber leider aus ökologisch nicht ganz unbedenklicher Herkunft. Mit dem Stück Tropenholz ging es dann wieder zur Baustelle.
Dort passte ich den Holmen an und konnte ihn mit den „gesunden“ Teilen verkleben und verschrauben. Im Gegensatz zu meinen Vorgängern verwendete ich ausschliesslich Sika Kleber und Edelstahlschrauben. Um die Stabilität des Bodens wieder zu erreichen, machte ich kleine Holzbrettchen, welche ich mit Stummeln der Querstreben verband. Das habe ich meinem Zahnarzt abgeguckt. Der baute auf meinem abgebrochen Zahn auch einen Kunststoffzahn auf. Das hält heute noch bombenfest.
TECREP04.jpg
Aussen konnte ich bereits die Aluhaut wieder aufkleben und die seitliche Schwelle befestigen. Nun füllte ich die leeren Stellen mit Styropor auf. Unter dem Wohnwagen klebte ich dünne Aluplatten (0.75 mm) auf und verschraubte diese zusätzlich. Unterbodenschutz machte das noch schwarz und es sah alles wieder fast neu aus.
TECREP05.jpg TECREP06.jpg TECREP07.jpg Anhang 87240
Innen ging es nun an den finish. Über die reparierten Stellen legte ich Sperrholzplatten, welche ich klebte und schraubte. Zuletzt deckte ich Boden und Wand mit weissbeschichteten Aluplatten ab.
TECREP08.jpg
Dann nur noch der Wiedereinbau der Möbel und das Verlegen der Kabel, Schläuche und der Abdeckung.
Rückblickend muss ich sagen, dass es eigentlich noch Spass gemacht hat und ich irgendwie mächtig stolz auf meine Reparatur bin. Aber noch einmal müsste ich das nicht noch einmal machen.

Zwischenzeitlich konnte ich den Wohnwagen erfolgreich verkaufen. Der reparierte Wasserschaden hatte ich klar beim Verkauf deklariert. Sechs Jahre hatten wir den Wohnwagen und haben in den Ferien viele schöne Stunden darin verbracht. Leider habe ich aber auch ganz viele unschöne Stunden mit Reparieren darin verbracht. Rückblickend muss ich sagen, dass wir wohl ein unangenehmes Gemisch aus Billigwohnwagen und Montagsversion hatten. Ich denke, jemand der kein handwerkliches Geschick hat, hätte sicher nach zwei Jahren kapituliert.
Dennoch empfehle ich allen TEC Besitzern sporadisch an die Stellen zu gucken, an die man sonst nicht guckt. Und meinem ehemaligen Wohnwagen - Händler empfehle ich, die Dichtigkeitsprüfung nicht nur zu verrechnen, sondern auch zu machen.

Unser neuer Tabbert hat auch seine "Überraschungen", aber was die Verarbeitungsqualität anbelangt sind da Welten dazwischen.

Herzlich grüsse ich Euch
Stephan

Geändert von reimi (29.11.2018 um 05:09 Uhr)
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