Hallo,
ich glaube, das passt vom Thema hier her, und ich will Euch diesen Text nicht vorenthalten:
Zitat:
Die Abgasuntersuchung von Diesel-Pkw ist eine Blamage für TÜV und Behörden. Die Messgeräte sind mit den modernen Russfiltern heillos überfordert.
Auf dem
Prüfgelände eines Werkstattausrüsters in der Nähe von Kempten steht ein Mercedes der E-Klasse mit laufendem Dieselmotor. Am Endrohr des Auspuffs steckt der Fühler eines Messgeräts, das Russpartikel erkennen soll. Ein Techniker tritt mehrmals heftig aufs Gaspedal.
Das Messgerät reagiert nicht. Ein waagrechter Strich läuft über den unteren Bildschirmrand. Russemission: Vermeintlich Null.
Parallel hat ist ein anderes Messgerät angeschlossen, das sehr wohl Ruß registriert, wenngleich sehr wenig: 0,7 Milligramm pro Kubikmeter.
Alles ist eine Frage des Maßstabs: Moderne Diesel-Pkw der geltenden Emissionsstufe Euro 5 verfügen über Filter im Auspuff, mit denen der Partikelausstoß auf ein Tausendstel reduziert wurde. Wer solche Systeme sinnvoll
prüfen will, braucht modernste Messgeräte.
Dumm nur, dass die amtlichen
Prüfer genau solche nicht haben: TÜV, DEKRA und andere Überwachungsdienste vollziehen die gesetzlich vorgeschriebene Abgasuntersuchung mit den alten, unscharfen Instrumenten. Diese messen mit einem optischen Verfahren die Lufttrübung und stammen aus einer Zeit, als Dieselabgase noch aufgrund der Sichtbehinderung als Problem betrachtet wurden. Wer damit heutige Autos
prüft, könnte ebenso gut mit dem Kompass Vasco da Gamas eine Satellitennavigation testen.
Die weit genaueren Geräte messen statt der Trübung die Partikelmasse. Sie basieren auf einem Laserverfahren, das etwa Bierbrauer längst zur Qualitätskontrolle ihres Gärprodukts nutzen. Die Idee, diese Technik auch zum Testen von Autoabgasen zu nutzen, kam spät.
Die Technischen Überwachungsvereine haben durchaus Routine darin, mit ihrer
Prüfmethodik der Entwicklung hinterherzuhumpeln. Erst kürzlich führten sie etwa ein Testgerät ein, mit dem sich sicherheitsrelevante Elektronik untersuchen lässt, die bereits vor drei Jahrzehnten Einzug in den Automobilbau hielt.
Dass der lasche Abgastest die Glaubwürdigkeit der
Prüfdienste erneut untergräbt, leuchtet den Betroffenen selbst ein. Das ist nicht mehr zu vermitteln. Was aber bleibt zu tun?
Sträfliche Milde waltet im Sinne der Luftreinhaltung
Das Bundesverkehrsministerium gestattete den
Prüfdiensten bereits, die Abgasuntersuchung der neueren Diesel-Pkw einfach zu unterlassen und stattdessen nur die Daten der On-Board-Diagnose (OBD) auszulesen, mit der sich moderne Autos inzwischen selbst untersuchen müssen. Die OBD gibt etwa Auskunft über Gasdrücke im Abgassystem, jedoch nicht über den tatsächlichen Partikelausstoß, erkennt also keine Schäden am Filter. Eine
Prüfung im Sinne der europäischen Vorschriften ist das nicht - wohl aber eine kostenpflichtige Maßnahme. Für die Abfrage der wenig aufschlussreichen Selbstauskunft des Autos stellen die
Prüfdienste bis zu 20 Euro in Rechnung.
"Die Diesel-Abgasuntersuchung, wie sie derzeit praktiziert wird, ist praktisch wirkungslos", erklärt Axel Friedrich, früherer Autoexperte des Umweltbundesamts und einer der kompetentesten Industriekritiker, die sich der Staatsapparat je leistete. Die politische Verantwortung sieht der Ingenieur und Dienststellenkenner im Verkehrsministerium: "Es ist die Verordnungsgebende Behörde, nimmt seine Aufgabe aber nicht im Sinne des
Umweltschutzes wahr."
Im Dezember 1993 wurde erstmals eine Abgasuntersuchung auch für Diesel-Pkw Pflicht. Sie startete mit einem Konstruktionsfehler. Statt eine Messung auf dem Rollenprüfstand vorzuschreiben, wie in den USA und vielen asiatischen Ländern Pflicht, entschied sich das Ministerium für eine Behelfsmethode, die für Werkstätten und
Prüfstellen billiger war: Während das Auto stillsteht, wird der Motor mehrmals bis an die Drehzahlgrenze hochgejagt. Das ist nicht gerade materialschonend - und unrealistisch.
Viele Autos verfügen jedoch heute über elektronische Gaspedale statt über Seilzüge. Sie sind so programmiert, dass sich der Motor gar nicht mehr im Stand auf Höchstdrehzahl quälen lässt. Bei 3000 ist oft Schluss. Damit wird die Messung zur Farce.
Ende des Zitates.
LG
Walter